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Gründerväter Ischls: Dr. Franz Wirer Teil 1

Blog Beitrag von Dr. Michael Kurz vom 09.01.2020

 

Dr. Franz Wirer von Rettenbach

Über Franz Wirers Ursprung und seinen Werdegang sind wir im Wesentlichen durch seinen Nekrolog informiert, den sein Kollege Dr. Sterz verfasst hat. Vermutlich hat der akribische und selbstbewusste Wirer die wesentlichen Punkte seines Lebens selbst festgehalten, wer hätte schon sonst über diese Daten bescheid wissen können? Bei einem Nachruf – noch dazu aus eigener Feder – ist natürlich etwas Skepsis angebracht.

Dr. Sterz schreibt über Kindheit und Jugend seines Fachkollegen: „Sein Vater war Wundarzt in Korneuburg, starb aber, als der Sohn erst zwölf Jahre alt war. ...“

Franz de Paula Augustinus Wirer kam am 7. April 1771 im niederösterreichischen Korneuburg als Sohn des Gemeindearztes Johannes Wirer und seiner Gattin Josefa geb. Reisleitner zu Welt.

Weiter Dr. Sterz: „[Wirer] ging nun nach Wien, wo er den Studien oblag und sich dem medicinischen Fache zuwendete, in welchem zu jener Zeit der berühmte Stoll seine Vorträge hielt, welche Wirer 1787 und in den folgenden Jahren hörte. ...“

Tatsächlich wechselte der aufgeweckte Junge schon vor dem Tode des Vaters an das Anna-Gymnasium in Wien, das später im Schotten-Gymnasium aufging, wie Quellen der Universität Wien belegen, 1787 dürfte er die Schule abgeschlossen haben. Gleich anschließend studierte er wahrscheinlich am 1785 gegründeten Josephinum, das sich speziell der Ausbildung von Militärärzten widmete.

Im Jahr 1800 wechselte er an die Medizinische Fakultät der Universität Wien. Der junge Arzt fasste an der Alma Mater Rudolfina offenbar nicht ordentlich Tritt, denn wiederholt findet sich in den Berichten, dass er keine Prüfungen abgelegt hatte. Ob dies ihm anzulasten ist, oder ob zwischen der altehrwürdigen Universität und der neuen hippen Josephsakademie eine gewisse Animosität bestand, die deren Abgänger diskriminierte, ist aus den Quellen nicht zu entscheiden.

Offenbar hatte er dann im 2. Halbjahr 1801 doch sein Studium abgeschlossen.

An der Josephsakademie könnte er durchaus schon den drei Jahr jüngeren Joseph Götz (1774-1839) kennengelernt haben. Dieser schrieb sich 1793 ein und durchlief ähnliche Stationen im Auslandseinsatz wie Wirer. Wirer promovierte 1799, von Götz wissen wir es nicht, beide auch weiters Absolventen der Uni Wien und somit Doktoren der Chirurgie und der Medizin.

 

Wirers Aufstieg zum Prominentenarzt

Über Wirers Werdegang zu einem der profiliertesten Mediziner der Monarchie, sind wir nur wenig unterrichtet. In seiner Biographie klafft eine Lücke von knapp 20 Jahren. Bereits 1802 wird er als außerordentliches Mitglied der Medizinischen Fakultät verzeichnet, wohnhaft in der Bognergasse Nr. 345, ebenso 1817 als ordentliches, mit Domizil „Unter den Tuchlauben“ Nr. 475, 1813 fehlt jedoch der Zusammenhang. Bei seiner ersten Veröffentlichung 1803 (s.u.) ist er als „ausübender Arzt in Wien“ gemeldet.

Wann oder ob er tatsächlich seine Tätigkeit bei Hofe als Leibarzt aufnahm, ist unbekannt. Bei allen Titeln ist immer nur der Leibarzt von Erzherzog Rudolf erwähnt. Hätte Wirer diese Stelle ebenfalls bei den anderen Mitgliedern des Kaiserhauses innegehabt, wäre dies sicherlich später explizit erwähnt worden.

Mit Fachliteratur beschäftigte sich Wirer hingegen eingehend, so erkannte er die Heilwirkung von Bädern für verschiedene gesundheitliche Leiden. Offenbar durch den Kontakt mit dem Palatin Ungarns, Erzherzog Joseph, konnte er erstmals diesen Ansatz verwirklichen.

In diesem Zusammenhang ist die „zufällige“ Reise 1821 ins Salzkammergut natürlich in einem völlig anderen Licht zu sehen. Nicht nur, dass ab 1803 als quasi kontinentale Ergänzung der salzhaltigen Seebäder in den europäischen Salinen (insbesondere in Deutschland) Solebäder wie Schwammerln aus dem Boden schossen (als letztes in einer langen Reihe das bayrische Rosenheim 1820), hatte Wirer grundsätzlich mit der Gründung von Bädern bereits Erfahrung. Um 1820 war die „Salzwasser-Therapie“ für viele Erkrankungen ein probates Mittel und seit fast 20 Jahren „state of the art“.

1821 reiste Wirer also mit dem „Who is who“ der österreichischen Ärzteschaft (Jakob Staudenheimer 1763-1830, Johann Malfatti 1776-1859, Johann Sterz ? –1854), der medizinischen Elite auf Standortsuche für ein konkretes Projekt hierher. Die Salinenärzte Franz von Wolf und Joseph Götz hatten entsprechende Vorarbeit geleistet und erste empirische Untersuchungen eingeleitet. Gmunden, wo Wolff arbeitete hatte jedoch den Standortnachteil, dass die Sole über den See von Ebensee hertransportiert werden musste, in Ischl war sie vor Ort. Ab 1822 reisten die ersten Kranken, die Wirer nach Ischl sandte, an, ab dann begann der märchenhafte Aufstieg Ischls vom verschlafenen Salzort zur mondänen Sommerresidenz der Monarchie.

Die genauen Umstände dieser geplanten Erschließung statt zufälliger Entdeckungsoll einer späteren Betrachtung gewidmet sein. Auch die radikale Umgestaltung und Umwidmung Ischls vom Industrie-zum Tourismusort in den 1820er und 1830 Jahren kann hier nur am Rande geschildert werden. Ohne Wirers Netzwerk wäre dies nicht so geschehen.

Eine kursorische chronologische Aufzählung der wichtigsten Errungenschaften des Mediziners: ab Mitte der 1825 initiierte er zahlreiche Ruheplätze für Spaziergänger, wovon er zwei selber errichten ließ (Der Sonnenschirm und Wirers Hain). 1826 regte er die Einrichtung eines Theaters an, 1828 folgte das Wirer-Spital, 1830 wurde auf sein Betreiben die Esplanade gebaut, 1831 entstand das Wirerbad (heute Trinkhalle), 1832 die Spinnschule in der Schulgasse, 1838 ließ nach Abtragung eines Hauses die Wirerstraße mit dem Volksgarten (später Wirergarten) anlegen. 1839 initiierte er die Maria-Louisens-Quelle. Das unselige Hotel Tallachini, was zur Entzweiung Wirers mit Ischl führte, wurde ab ca. 1840 geplant, zeitgleich folgte die Öffnung der Wirerquelle im Gries. Wirer war omnipräsent.

In Ischl vermehrten sich die nach Wirer benannten Örtlichkeiten so inflationär, dass der oberösterreichische Landesdichter Franz Stelzhamer in den 1840er sichtlich „ver-wirrt“ spöttisch feststellte:

„Wirers Wildnis – Wirers Bildnis -

Wirers Hain – Wirers Höh ́ -

Wirers Quell – Wirers Haus –

Meiner Seel – man kennt sie –

Vor Verwirrung – fast nöt aus.“

Der Magistrat von Ischl verlieh ihm deshalb schon 1825 die Ehrenbürgerwürde: „Am 24ten August 1825 wurde in Anerkennung der Verdienste um die Emporbringung des neu errichteten Soolebades allhier dem Wohlgeborenen Herrn Franz Wirer Medicin und Doc. in Wien das Ehrendiplom eines Bürgers des Marktes Ischl ausgestellt und feierlich von dem gesamten Magistrat übergeben“

1838 setzte ihm Ischl ein würdiges Denkmal, das noch heute im Kurpark bestehende Wirerdenkmal. Die Kosten von ca. 3.000 Gulden ersetzte der gerührte Geehrte dem Magistrat zur Gänze.

 

 

Wirer war auch maßgeblich daran beteiligt, dass sich das Thronfolgerpaar Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie 1828 erstmals nach Ischl begaben. Von 1825 bis 1829 erlitt die junge Frau fünf Schwangerschaftsabbrüche, die Solebäder sollten die geschwächte Prinzessin wieder kräftigen. Ende 1829 stellte sich eine weitere Schwangerschaft ein, diesmal begleitete sie ihr neuer Leibarzt Johann Malfatti (s.o.). Die Geburt des kleinen Franz am 18. August 1830 war für die stolze Mutter, die kaiserliche Familie und die Monarchie insgesamt eine Erlösung, für Ischl aber ein Glücksfall, der „Salzprinz“ blieb dem Ort lebenslang treu.

1826 zog Wirer in das Haus Petersplatz 577 (heute Bauernmarkt 1/Freisinger Gasse 4), das er 1832 zum Teil und 1836 zur Gänze erwarb.

 

Das ehemalige Wohnhaus Wirers heute

 

Wirer bezifferte den Wert des Hauses in seinem Testament mit 300.000 Gulden, verkauft wurde es nach seinem Tode für knapp 280.000 Gulden. Wirer war nach heutigen Maßstäben also mehrfacher Millionär.

Schließlich wurde er von Kaiser Ferdinand geadelt und wählte den bezeichnen Titel „Ritter von Rettenbach“, ein Zeichen seiner Verbundenheit mit Ischl: „Seiner k.k. apostolische Majestät haben mittelst allerhöchst unterzeichneten Diploms den Med. Doctor und Ritter des österreichisch-kaiserlichen Leopoldordens, Franz Wirer, in Wien, den Ordensstatuten gemäß, in den Ritterstand mit dem Prädicate „von Rettenbach“ allergnädigst zu erheben geruht."

 

Wirers Wappen

 

Das Wappen Wirers ist nicht einfach zu entschlüsseln, der Berg mit offenen Stolleneingang dürfte wohl ein Salzbergwerk symbolisieren, der weiße Turm daneben findet sich möglicherweise im Wappen von Korneuburg wieder. Die Helmzier ist einerseits dem Gott der Ärzte Äskulap gewidmet, andererseits der Göttin der Gesundheit, Hygieia, die auch auf Wirers Ischler Denkmal abgebildet ist.

 

Überarbeitet und aktualisiert nach: Kurz, Michael: Ein österreichischer Biedermeier-Arzt von europäischem Rang: Zum 175. Todestag von Franz Wirer, Ritter von Rettenbach (1771-1844), erschienen in: Mitteilungen des Ischler Heimatvereins 38/2019, S.19-43.

Danke fürs lesen,
Dr. Michael Kurz

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