Blick von der Katrin auf Bad Ischl im Salzkammergut

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„Overtourism“? – Der Kampf um den Fremdenverkehr 1919

Blog Beitrag von Dr. Michael Kurz vom 20.9.2019

1919 prallten Gegner und Befürworter des Tourismus heftig auf einander. Eine Diskussion ähnlich der heutigen um „Overtourism“. Der Tourismus kam im Krieg praktisch zum Erliegen. Heimische Arbeitervertreter forderten trotzdem im August 1918 die „Fremden“ auszuweisen.

Für 1919 brach der Streit schon im Frühjahr aus, schwierige Entscheidungen standen an: „Heute steht nun wieder die Frage vor der Thüre: „Fremdenverkehr 1919 oder nicht. Es ist eine Menge von kleiner Existenzen vom Fremdenverkehr abhängig. Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass die Fremden rücksichtslos sondergleichen sind und uns mit ihren Geldmitteln alles wegschnappen, was ihnen erreichbar ist. Wer oder welche Partei übernimmt die Verantwortung für oder wider den Fremdenverkehr? ...“

Nachdem von der Regierung in Wien – von wo die meisten „Fremden“ kamen - offenbar keine Regelung zu erwarten war, preschten die einzelnen Länder vor: Salzburg erließ schon im März ein sehr rigides Einreiseverbot, was Tourismus praktisch unmöglich machte, Oberösterreich und die Steiermark folgten mit fast wortgleichen Formulierungen im April. Die Gemengelage war aber bedeutend komplizierter, nicht nur innerhalb der einzelnen Länder gab es Orte dafür oder dagegen, sogar in den einzelnen Urlaubsregionen wie dem Salzkammergut gab es Profiteure und Leidtragende. Ende April „overrulte“ der Bund die Länder mit einer „Vollzugsanweisung“, die Fremdenverkehr grundsätzlich erlaubte. Zähneknirschend mussten die Länder ihre Gesetzgebung anpassen: Die Länder sind dabei von den Erfahrungen der früheren Jahre ausgegangen, in welche es sich zeigte, dass die aus Wien und Ungarn zugereisten Sommergäste eine weit hinausgehende Verpflegung beanspruchten und sich diese durch eine geradezu schamlose Überbietung der Preise zu sichern suchten…“ Die Ländervertreter hoben aber hervor: „ „Für das Salzkammergut wurde insbesondere mit Rücksicht auf die Stimmung der Bevölkerung eine Verhinderung der Sommersaison vorgeschlagen….“

Dies wiederum rief die Touristiker der Region auf den Plan, die sich damit nicht abfinden wollten. Sie begannen eine Kampagne zur Rettung der Saison. Die Region beabsichtigte, direkt amerikanische Lebensmittel über Triest zu importieren und parallel dazu für die Arbeiter Nahrungsmittel zu erwerben, um diese vor befürchteten Preisanstiegen abzusichern. Die Arbeiterschaft erteilte dazu unter hohen Bedenken ihre Zustimmung: „Gegen die Veranstaltung einer Saison spricht die Angst, dass unser kleiner Bezirk von den Fremden über Gebühr ausgebeutet wird, die Preise aller Artikel in die Höhe getrieben werden, dass wenn die Fremden kommen, kein frisches Gemüse kein Obst für die Einheimischen erhältlich sein wird...“

Nun konnte mit 1. Juli die Saison des Jahres 1919 endlich beginnen. Über den Verlauf des Urlauberverkehrs sind wir nur schlecht unterrichtet. Kein geringerer als Stefan Zweig jedoch bereiste anfangs Juli Ischl von Salzburg aus und warf ein melancholisches Schlaglicht auf die frühere Zeit: … Ischl selbst, ein sonntägliches Dorf, die Esplanade leer, die Häuser verschalt, alles funkelnd im herben Licht und geklärten Sommersonnenglanz. … Und selbst die kaiserliche Villa, die man aus Kindertagen sich groß träumte und prunkend, sie liegt da wie irgendeines reichen Mannes Jagdhaus, nicht mehr [...]“

Der Sommer endete jedoch abrupt, aus Versorgungsmangel verlegte Oberösterreich das Ende des Reiseverkehrs 14 Tage nach vor, die Saison endete statt am 15. schon am 1. September. Der Zeitpunkt kam für viele überraschend, hastig mussten die Koffer gepackt werden: „Einzelne Orte des Salzkammergutes haben sich in den letzten Tagen ihrer Sommergäste auf eine radikale Art entledigt. In Strobl wurde Dienstag früh [die Fremden] aufgefordert, denn Ort binnen 2 Stunden zu verlassen.…“

Dass die Salzkammergutlokalbahn zur gleichen Zeit den Betrieb wegen Kohlemangels einstellte, verschärfte die Situation.

Gegen Ende September erschien die erste Bilanz: „Die Zustände erklären den Unmut der Bevölkerung gegen die Fremden. Jede Preistreiberei kommt in der Regel noch vergrößert zur Kenntnis der einheimischen Bevölkerung…Es hat aber auch seine guten Seiten. Das arme Deutschösterreich braucht jede Einnahmequelle.. Die Fremdenindustrie bringt Verdienst in weite Kreise der Bevölkerung.. Können wir darauf verzichten?“

Für das Salzkammergut lagen die Daten erst Mitte Oktober vor: „Die abgelaufene Fremdensaison kann wohl, als eine Art Kampfsaison bezeichnet werden, dauerte doch der Kampf, ob es zur Zulassung der Fremden kommen soll oder nicht, mehrere Monate an, standen sich doch in dieser Frage oberes und unteres Salzkammergut gegensätzlich gegenüber.“

Die meisten Orte äußerten sich allerdings verhalten positiv: „In Bad Ischl war zu beobachten, dass nebst dem Stammpublikum vielfach ein ganz neues Publikum auftauchte, welches sich auch nicht immer angenehm bemerkbar machte. ... Die Klage über den Schleichhandel wurde auch in Bad Ischl erhoben... In St. Wolfgang zeigten sich natürlich auch die üblen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel das Preisüberbieten, einzelne Fremde sollen übrigens für ihre Hamsterfahrten die Almen des salzburgischen Nachbarlandes zum Ziel genommen haben… Es herrschte in St. Wolfgang [aber] ein entschieden fremdenfreundlicher Zug.“

Die „Kampfsaison“ fasste auch eine Karikatur zusammen:

Im Jahre 1920 beruhigte sich die Lage etwas, allerdings konnte der Tourismus erst wieder ab 1923 an die Vorkriegszeit anknüpfen.

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