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Gründerväter Ischls: Dr. Josef Götz Teil 2

Blog Beitrag von Dr. Michael Kurz vom 23.01.2020

 

Dr. Josef Götz

Der Bad- und Kurarzt und "Macher" des Kurorts

Ab 1822 begann Josef Götz Doppelbelastung als Salinenarzt und eine Art „Tourismusdirektor“, der sich unermüdlich um die Verschönerung des Ortes bemühte und auch Quartierwünsche entgegennahm und vermittelte. Nachdem Dr. Wirer etwa 40 Patienten in die neue Badeanstalt des Salinenkontrollors Tänzl schickte. Im Jahr zuvor - 1821 – war er mit Dr. Malfatti und anderen hierhergereist, um sich von den Versuchen, die Götz zuvor angestellt hatte, zu überzeugen. Diese Experimente, die Götz in einem Bericht seiner vorgesetzte Behörde schickte, und die Wolf nach Wien weiterleitete, fanden wohl schon 1820 in einer kleinen Badestube des Apothekers Hamp für Salinenarbeiter statt. Möglicherweise begann Götz schon 1819 mit kleineren Anwendungen in seinem eigenen Haus.

Vielleicht kann man von einer Arbeitsteilung sprechen: Wirer hatte oft die Visionen, Götz setzte sie vor Ort um, Wirer war der Aufsichtsrat, Götz der Manager.

Auch publizistisch trat er hervor und veröffentlichte seine Befunde an Krankengeschichten. In einem gemeinsam mit Wolf herausgegebenen Bericht, thematisierte er 14 Fälle aus dem Jahr 1823.

Für Wirers bekanntes Werk erschienen ebenfalls 1826 steuerte eine nicht bekannte Anzahl von Erhebungen bei und wird gleichrangig mit allen anderen Ärzten genannt.

In seiner Eigenschaft kam der Arzt dabei mit zahlreichen Prominenten seiner Zeit in Kontakt, er sorgte für standesgemäße Unterkunft und ermöglichte abseits des Badebetriebes auch die Einrichtung von Unterhaltungsstätten.

Die Ischler Stadtverwaltung ehrte Josef Götz 1825 mit der Ernennung zum Ehrenbürger (vermutlich auch erst nach Erwerb des Eigentums am Haus Nr. 154):

Wir Richter und Rath ernennen zum Ehrenbürger: „Seine Wohlgeboren, den Herrn Med. u. Chirurg. Doctor Josef Götz, würdigsten k.k. Kammergutsphysikus, Inhaber des Hauses Nr. 154 im Markte Ischl, mit der dankbarsten Anerkennung, dass durch wohlselben als unbestreitbar erste Einwirkung die Anstalt der Solen- und Solendampfbäder nicht nur in das Leben gerufen worden sind, sondern dass auch die fernere Badeanstalt seit dem Jahre 1823 zum höheren Wohlstande des Marktes und der Umgebung durch dessen thätige Sorgfalt und Mühe erweitert wurde, nicht  minder, dass dessen unermüdende Hilfeleistungfür die Kranken und dessen ausgezeichnet rastlosem Bestreben wohlselbe die Kuhpocken-Impfung im ganzen Kammergute so wohlthätig für die Menschheit verbreitete und allein ausübte, dass seit 18 Jahren kein Beispiel der Menschenblattern bekannt ist. Ischl, am 1. September 1825

Hier werden also die Leistungen Götz ́ sowohl bei der Einführung der Pockenimpfung, als auch bei der Gründung des Badebetriebes gewürdigt.

Wir dürften hinter der Betriebsamkeit des neuen Ehrenbürgers wohl auch die Erschließung der Umgebung Ischls mit ca. 30 Spazierwegen und Ruheplätzen vermuten, wozu Götz auch seinen Garten für die Öffentlichkeit zugänglich machte: „Der Volksgarten – den Badegästen zur Erheiterung gewidmet, in seinem eigenen Garten vom dem Lokal-Badearzt Götz – errichtet 1825. Er besteht aus zwei Abtheilungen: dem Baum- dem Gemüse- und dem Blumengarten; ist vorne mit einem Staketenzaune, mit Säulen und Vasen geziert, und rückwärts mit einfachen Staketen geschlossen. Der Obstgarten, den eigentlichen Volksgarten bildend, hat einen offenen Kreuzgang, in dessen Mitte ein besandetes Rondeau mit Bänken, im Hintergrunde Theseus Tempel auf 6 Säulen, und beiderseits gedeckte Gartenlauben, nebstbei noch mehrere Sitze.“

Der Aufstieg Ischls musste auch Neider wecken, die sich in verschiedenen Organen abschätzig über das Modebad äußerten. Auch hier sprang Götz in die Bresche und verteidigte wort- und kenntnisreich die Neuerungen: „Im österreichischen Bürgerblatte Nr. 87 erging eine Aufforderung, die Wirkungen der Sohlenbäder zu Ischl bekannt zu machen, da dieses Bad alljährlich einen höheren Aufschwung bekommt, man aber nur durch Hörensagen die heilkräftigen Wirkungen selbst in sehr eingewurzelten chronischen Übeln von dem Sohlenbade, als dem Meerwasser-Surrogat, kenne. Etwas befremdend erschient die Aufforderung, da die Grenzen der Bescheidenheit dem Badearzt verbieten, seine Beobachtung in eine politisch-literarische Zeitung nieder zu legen – durch die alljährliche Ankündigung des Bades zu Ischl, dessen Wirkung in bestimmten Krankheiten, dann die Bestandtheile der Sohle öffentlich bekannt gegeben wurden – und indem durch das schon vor zwei Jahren erschienene Buch „Ischl und seine Sohlenbäder“, welches für Ärzte und Nichtärzte verständig und genügend geschrieben ist, der größte Theil der Aufforderung seine Lösung finden könnte, aber zum Beweise meiner Anerkennung der guten Absicht des Ungenannten mache ich mit Vergnügen das Wissenswerthe und Wahre über das Sohlenbad von Ischl hiermit bekannt, welches heuer sich wieder einer gesteigerten Anzahl von Badegästen sehr erfreuet hat. Im Jahre 1823 waren 80 Badende, 1824 136, 1825 233, 1826 320, 1827 361. Schon diese bedeutend alljährliche Zunahme lässt einen günstigen Schluss auf die Wirkung des Sohlenbades machen, aber auch sehr erfreulich ist die mit jedem Jahre sich mehr bestätigende Erfahrung, dass diese Bäder einen so auffallend guten Erfolg in bestimmten Krankheiten leisten, und selbst in sehr veralteten, hartnäckigen Übeln ein souveränes Heilmittel sind. .... [Es] kann bestätigt werden, dass die größere Hälfte der Badenden vom Jahre 1827 ... entweder gründliche Heilung, oder auffallende Erleichterung ihrer Beschwerden gefunden haben. Für diese Behauptung bin ich jedem Arzt einzeln zu leisten erbiethig. Aufstellungen der Krankengeschichten können nur in Sanitäts-Berichten erscheinen. Wenn schon den Fremden, mit Absicht des Badegebrauches zu Ischl, eine Auswahl von 300 wohleingerichteten Zimmern, Posthaus, Gasthäuser, Traiteurs, Kaffeehaus und Theater volle Befriedigung erfahren; ... Ischl den 13. Dezember 1827 Dr. Josef Götz, Salinen-Physikus und Badearzt“.

1834 erschien seine Broschüre, mit der er die Schrift Wirers von 1826 fortführte.

In den Wiener Zeitungen erschienen meist schon im Spätwinter und Frühjahr Annoncen, mit denen für Ischl geworben wurde, und als Ansprechpartner wurde Josef Götz genannt.

In der Saison 1839 übernahm statt seiner Ferdinand v. Lidl die Quartierbereitstellung.

Über seine letzten Lebensmonate erfahren wir: „Die mit seiner nie erlahmenden Sorgfalt für das Gedeihen des Bades verbundenen Anstrengungen erschöpften ihn bei zunehmenden Alter mehr und mehr, so dass er in den letzten Jahren das Vertrauen auf das ärztliche Wissen verlor und auf dem Krankenlager von den Ärzten seine Hilfe erwartete. Bis zu seinem letzten Ende war er thätig. Obgleich er die Art und Zeit seines Todes ziemlich genau vorausgesagt hatte, ließ er doch noch wenige Tage vor seinem Hinscheiden die Träger seines offenen Tragsessels neu equipieren, um in der kommenden Curzeit die Gäste würdiger besuchen zu können, denn selbst in seinem elenden Gesundheitszustande unterließ er es nicht, da er nicht mehr fahren konnte, sich zu den Badegästen tragen zu lassen. In der schlimmen Nacht zum 3. Juni 1839 verlangte er nach einem Asthma-Anfalle etwas Kaffee, sprach dann freundlich, trostreich und liebevoll mit seiner Gattin und einigen treuen Hausgenossen, dann verlangte er etwas Moselwein, und nachdem er diesen genossen, wünschte er allein zu sein um zu ruhen, legte sich zurecht und entschlummerte um in einer besseren Welt zu erwachen“.

Leider war es Götz nicht mehr vergönnt, die langersehnte Erhebung in den Adels-stand zu erreichen, doch zumindest wurde ihm erlaubt, Diplome der Gesellschaft für Natur-und Heilkunde zu Dresden und der medizinischen Gesellschaft zu Leipzig anzunehmen.

Aus seinem Todesjahr stammt auch das bekannte Porträt von ihm, das der Maler Joseph Kriehuber anfertigte.

 

Dr. Götz von Joseph Kriehuber (Sammlung Dusch/Sparkasse)


Der umtriebige Arzt starb am 3. Juni an Lungenlähmung und wurde am 5. Juni beerdigt.

Sein Grab am Ischler Friedhof wurde 1894 so beschrieben: „Auf dem Friedhof in Ischl 14. Reihe vom Eingang rechts, befindet sich ein schmuckloses Grab in Stein-Einfassung, zu Häupten desselben ein niederer Sockel, ebenfalls aus Stein, und darauf eine abgebrochene Säule. Der Sockel trägt die Inschrift: „Vom edlen Denker, euerem Freund, ihr Kranken, Dem Tausende, dass sie noch athmen, danken, Ruht hier, was irdisch war – Gebein“

Und auf dem an die Säule gelehnten Schilde heißt es weiter: Doctor Josef Götz, Salinen-Physikus, Bezirks- und Badearzt, geboren am 6. März 1774, gestorben am 3. Juni 1839 ½ 2 Uhr früh“.

 

Grabstein nach der letzten Renovierung

 

Der oben beschriebene Text ist heute nicht mehr lesbar. Die abgebrochene Säule steht für die Vergänglichkeit, die Schlange (Äskulapnatter) für den Arztberuf.

 

Ehemaliges Wohnhaus von Dr. Götz
Gedenktafel an Dr. Josef Götz an seinem ehemaligen Wohnhaus (heute Oberbank)

 

Heute steht Götz gleichwertig neben Wirer, die beiden bedingten und brauchten einander: Der Visionär den Manager und umgekehrt.

 

Überarbeitet und aktualisiert nach: Kurz, Michael: Dr. Josef Götz –Militärarzt, Pockenkämpferund Manager des Kurortes, erschienen in: Mitteilungen des Ischler Heimatvereins 33/2014, S. 16-35

Danke fürs lesen,
Dr. Michael Kurz

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