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Der Kreuzstein - Ein Wahrzeichen Ischls

Blog Beitrag von Johannes Eberl vom 27.2.2020

Kreuz mit vergoldeter Jesufigur


Der Sage nach wurde der Felsen, auf dem das Kreuz steht, durch den Teufel vom Jainzenberg in die Traun geschleudert. Der Satan wollte die Traun aufstauen und die frommen Ischler ertränken. Nachdem er bereits den ersten Brocken in die Traun gestürzt hatte, läutete von der Kirche St. Nikolaus das Ave-Glöckchen. Damit war die Macht des Satans gebrochen und er musste abziehen.
 

Foto um 1900


Untersuchungen des Geologen Dr. Harald Lobitzer ergaben jedoch, dass es sich bei diesem markanten Felsklotz nicht um einen Block aus dem Plassenkalk des Jainzen sondern um einen glazialen „Findling“ aus Dachstein-Riffkalk handelt. Er gelangte wohl auf dem Rücken eines Eisstromes des Traungletschers während der letzten Eiszeit aus dem Dachsteingebiet in unsere Gefilde.
 

Alter Stich mit mystischer Ausstrahlung


Auf einem Kupferstich des Jahres 1796 ist erstmals der Kreuzstein zu sehen.
Die erste schriftliche Erwähnung unseres heutigen Kreuzsteines finden wir in Joh. Steiners „Reisegefährte durch die österreichische Schweiz“, Ausgabe 1820, mit folgenden Worten: „... und endlich den Kohlstein, ein vermutlich von der Höhe des hinteren Jainzenberges abgefallener Stein, mit einem ebenfalls die Gefahren der Schifffahrt allda bezeichnenden Kreuze.“
Als Kohlstein wurde das inmitten der Traun stehende Felsstück nahe der nördlichen Ortseinfahrt von Ischl bezeichnet ehe das erste Kreuz darauf errichtet wurde. Der jetzt noch vorhandene Corpus wurde 1855 vom Hofgärtner Rauch gestiftet. Wegen der exponierten Lage musste das Kreuz oftmals restauriert werden. Eine Tafel auf dem Felsen berichtet von den Restaurierungen 1888 und 1928 durch Regierungsrat Dr. Max Mayer.
 

Gedenktafel in Memoriam der Gattin Dr. Mayers


1945 wurde das Kreuz samt Christus von einem Sturm in die Traun geschleudert.
Im Jahre 1947 wurde das Kreuz durch Josef Neureiter restauriert, obwohl die Zeiten extrem schlecht waren. Kleinstmengen von Gold wurden durch die Ischler Bevölkerung aufgebracht. Im April 1972 wurde der Corpus zu einer neuerlichen Restaurierung in eine Linzer Werkstatt transportiert, im September 1974 kam er in die Malerwerkstätte Heinrich Neureiter für die Vergoldungsarbeiten. Kaum 10 Jahre nach Fertigstellung traten an der Oberfläche des Gekreuzigten Mängel wie Fleckigwerden und Nachlassen der Glanzvergoldung zutage, die erfahrungsgemäß unter normalen Umständen erst nach 35- bis 45- jähriger Bewitterung auftreten dürften.
 

Schäden am Corpus sind deutlich zu erkennen
 

Das Kreuz wurde am 2.10.2007 von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Ischl geborgen


Die mit der Restaurierung betraute Wiener Firma Elisabeth Krebs musste dabei feststellen, dass bei der letzten Restauration 1972 gravierende metallurgische Fehler wie Füllung der Metallform mit Beton und Armierung mit mittlerweile verrosteten Eisenteilen gemacht worden waren; in deren Folge entstanden an der Figur Risse und Sprünge.
 

Hier wurde das Gesicht abgenommen, deutlich ist die Betonfüllung zu erkennen
 

Arbeit in der Restaurierwerkstätte Krebs in Wien


Durch den nicht vorhersehbaren äußerst aufwendigen Verlauf der Instandsetzungsarbeiten kam es zu großen Kostensteigerungen. Nach der Restaurierung in Wien wurde der Corpus (nun in 3. Generation) von Martin Neureiter vergoldet.
 

Martin Neureiter in seiner Werkstätte mit dem vergoldeten Corpus


Durch die Hilfe von Bundesdenkmalamt, Land Oberösterreich, Stadtgemeinde Bad Ischl und vieler Ischlerinnen und Ischler konnten die notwendigen 28000 € aufgebracht werden. Am 23. Mai 2008 wurde das restaurierte Kreuz mit einem Kran wieder auf seinen Platz gehoben und unter Teilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht.
 

Die feierliche Einweihung


Seit seinem Bestehen grüßt der Kreuzstein die Vorüberziehenden. Er wird immer wieder auf den unterschiedlichsten Gegenständen dargestellt. Zum Abschluss drei Beispiele:
 

Altes Briefpapier
 

Notgeld von 1920
 

Glas mit dem Ischler Kreuzstein

Danke fürs Lesen,
Johannes Eberl
 

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