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Salzkammergut Lokalbahn – wenn es die noch gäbe!

Blog Beitrag von Johannes Eberl vom 2.1.2020

 

Originalwaggon ausgestellt vor dem Bahnhof

 

Auf dem Vorplatz des Bad Ischler Bahnhofes sieht man unter einem Dach eine Schmalspurlok mit einem Waggon. Dieser Waggon ist ein Originalwaggon der Salzkammergutlokalbahn.

 

Originalwaggon ausgestellt vor dem Bahnhof

 

Der Zug ging 1890 mit der ersten Teilstrecke Ischl-Strobl in Betrieb. Die Station Ischl war allerdings außerhalb westlich gelegen (etwa dort, wo heute in der Salzburgerstraße die Shell-Tankstelle ist).

 

Der Kaiser auf dem Heimweg von der Schrattvilla; im Hintergrund sieht man das Gebäude der ersten Station der Lokalbahn

 

Ab 23.7.1894 fuhr der Zug durchgehend von Ischl bis Salzburg. Damit er auch vom Hauptbahnhof abfahren konnte, musste eine Brücke über die Traun errichtet werden.

 

Die Traunbrücke kurz vor dem Abriss; sie diente zuletzt dem Straßenverkehr in Kaltenbach

 

Weiters wurde ein Tunnel durch den Kalvarienberg gegraben. Nach dem Verlassen des Tunnels in der Nähe der „Schratt-Villa“ überquerte der Zug auf einem unbeschrankten Bahnübergang die Straße Ischl – Salzburg. Manche, die damals Kinder waren, erinnern sich an das Pfeifen um 7 Uhr früh. Dann musste man eiligst aufstehen um nicht zu spät in die Schule zu kommen.

 

Links im Hintergrund die „Schratt-Villa“

 

Gäbe es die S.K.G.L.B. noch heute, würde sie alle existierenden Dampfbummelzüge in den Schatten stellen – so wunderschön war die Landschaft, durch die sie fuhr. 3 Seen konnte man in Ruhe betrachten, wenn man bis Salzburg fuhr: Wolfgangsee, Krottensee, Mondsee.

1893 wurde noch die Schafbergbahn eröffnet, die man von der Haltestelle St. Wolfgang mit dem Schiff erreichen konnte.

 

Personenzug in der Nähe der Station „Weißenbach“, im Hintergrund links die Vormauer (= Berg vor dem Schafberg)

 

Nicht immer verlief der Betrieb reibungslos. Im „Erinnerungsschatz“ des Ischler Heimatvereins findet sich ein Foto von einem Unfall am 15.2.1925. Er ereignete sich zwischen Strobl und der Station Wolfgang um 7 Uhr 10 min. in der Früh. Der Lokführer fand dabei den Tod, sein Heizer wurde schwer verletzt. Auch 20 Passagiere waren verletzt.

 

Heute führt an dieser Stelle ein Radweg durch das Naturschutzgebiet „Blinklingmoos“

 

Hier nun einige Zahlen:

  • Im Sommerfahrplan gab es bis zu 7 durchfahrende Züge täglich
  • Fahrdauer Ischl – Salzburg ca. 3 Stunden, Schnellzüge ca. 2 ½ Stunden
  • Frequenz:  1911 400.000, 1918 650.000Passagiere
  • 1943/44 gab es wegen des Krieges bis zu 1 ½ Millionen Passagiere
  • 1946: 2.146.000 Reisende!
  • Ab 1950 sanken die Passagierzahlen, machten aber immer noch 800.000 bis 900.000 aus


Trotz massiver Proteste der Bevölkerung (in Salzburg demonstrierten 2500 Personen) wurde die Bahn am 30.9.1957 eingestellt. Der Güterzugdienst lief noch bis 10. Oktober. Dann wurde sofort mit dem Abriss der Geleise begonnen. Dies geschah so hastig, dass in St. Gilgen Waggons übrig blieben und mit dem Tieflader abtransportiert werden mussten.

 

Zum Abschluss treten Sie bitte mit mir eine Fahrt an:
Wir lösen am Fahrkartenschalter eine Karte. Der Zug steht schon unter Dampf und wir können einsteigen.

Winterfahrplan 1956-57, Originalfahrkarte gelöst bis Haltestelle Aschau-Golfplatz, 3. Klasse (Holzsitze), Preis S 1,40

 

Spurbreite 760 mm; die Geleise im Vordergrund sind die Normalspurgeleise der Bahn zwischen Attnang-Puchheim und Stainach-Irdning

 

Zug unterhalb der Drachenwand Nähe Mondsee

 

Nach Salzburg war es eine gemütliche aber auch lange Fahrt.

Daher zum Abschluss noch eine wahre Begebenheit:

Meine Großmutter fuhr in den Jahren zwischen 1930 und 1950 im Sommer häufig nach Badgastein, weil sie dort eine Frühstückspension zu führen hatte. Als sie zu Saisonbeginn wieder einmal mit der Salzkammergutbahn nach Salzburg fuhr, gab es bereits in Strobl einen längeren Aufenthalt. Ebenso geschah es in St. Gilgen, wo Wasser in die Lokomotive nachgefüllt werden musste. In St. Lorenz schließlich wurde Kohle zugeladen, man hatte ja Zeit!

Meine Großmutter suchte den Schaffner auf und meinte: „Herr Kondukteur, ich fürchte, ich werde meinen Anschluss nach Badgastein verpassen. Wir haben doch schon einige Verspätung!“

Der Schaffner antwortete: „Ja, warum haben`s denn das nicht gleich g`sagt!“ Und siehe da, die Lok schnaufte und schnaufte und sauste so schnell sie konnte – meine Großmutter erwischte in Salzburg noch den Anschluss.

 

Danke fürs lesen,
Johannes Eberl

Mehr zum Thema

Nachfolgend ein sehr interessanter Beitrag über die Lokalbahn und das Lied "Zwischen Salzburg und Bad Ischl" aus dem Film Kaiserball.

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