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Wirtschaftliche Lage der Salzarbeiter in früheren Zeiten

Ein Blog Beitrag von DI Hans Kranabitl vom 19.03.2020

Ablasskasten eines Erzeugwerkes 1930
 


Die Lage der Salzkammergutarbeiter war seit jeher schlecht und bedauernswert. Angewiesen auf die Salinenarbeit, waren sie vollständig in den Händen einer Unternehmung, welche auch über die ganze administrative und gerichtliche Gewalt verfügte.

Die Beschäftigung als „Kammergutarbeiter“ war mit „sicherer Armut“ verbunden, denn der Lohn war karg und ungenügend. Neben dem geringen Lohn wurden die Salzarbeiter mit günstigem Getreide und Schmalz versorgt.

Trotzdem halfen billiges Getreide und einmalig gewährte Zuschüsse in Notzeiten wenig, da die Hofkammer trotz ständiger Teuerung die Löhne nicht erhöhte. Salz war die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Die Kammergutsalinen erwirtschafteten bis zu 50% der damaligen Staatseinnahmen.

Die Salzarbeiter hatten aber neben dem Lohn noch wichtige Vergünstigungen, die man außerhalb des Kammergutes nicht kannte. Sie waren vom Militärdienst und von militärischen Einquartierungen befreit, zahlten keine Steuern und Umlagen, falls sie nicht Eigenbesitzer waren, sie hatten die unentgeltliche ärztliche Behandlung im Krankheitsfalle und eine ständige Versorgung im Alter.

Die Kammergutarbeiter brauchten sich um die Zukunft ihrer Söhne nicht zu sorgen, noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand jeder arbeitsfähige Kammergütler entsprechenden Verdienst beim Salzamt.

 

Tätigkeiten der Salzbergarbeiter, 1825


Um die Löhne nicht zu erhöhen, wogegen man sich in Wien hartnäckig sträubte, suchte man die Kosten des Lebensunterhaltes der arbeitenden Bevölkerung möglichst zu senken, die Lebensmittelpreise auf alle Weise herabzudrücken und deren Ansteigen in Zeiten der Teuerung soweit wie möglich zu verhindern.

Zu diesem Zweck versorgte das Salzamt die Kammergutbewohner mit Getreide und Schmalz. Das Brotgetreide wurde als Gegenfracht auf den entleerten Salzzillen billig ins Kammergut gebracht, weil es als kaiserliches Gut von allen Abgaben während des Transports freiblieb. Der Getreideverkauf war streng geregelt, kein Beamter durfte damit Handel treiben, der Verkaufspreis war für die Getreidehändler, zumeist Bürger von Gmunden, Ischl, Laufen und Hallstatt, streng geregelt. Das Salzamt hatte darauf zu achten, dass immer ein ausreichender Getreidevorrat in den amtlichen Magazinen, den „Kornkästen, lagerte.

Die Bezugsberechtigten erhielten das Getreide immer unter dem Marktpreis und den Selbstkosten, was nicht nur die Verbundenheit der Mannschaft mit der kaiserlichen Arbeit festigte, sondern die Regierung auch von der sonst unerlässlichen Lohnerhöhung befreite.

So begehrt auch das Fleisch war, das Hauptnahrungsmittel ist es für die Kammergutsbevölkerung wegen seines unerschwinglichen Preises nie geworden. Das Hofkorn hatte sie an die Mehlkost gewöhnt, zu welcher sie das Schmalz als Fettzusatz nicht entbehren konnten. Dieses war ihnen wichtiger als das Fleisch. Das innere Salzkammergut bezog das Schmalz zum größten Teil aus der Abtenauer Gegend, deren Bewohner damit im Umtausch gegen Salz, Getreide und Wein einen schwunghaften Handel trieben.

Auch die Fleischpreise wurden jeweils behördlich festgesetzt und die Fleischhauer durch Hilfsgelder unterstützt, so dass sie günstige Preise auch in teuren Zeiten zu halten vermochten.

1693 ging ein Notschrei der Kammergutarbeiter an die Hofkammer um Getreide; in Ebensee, Ischl und Hallstatt herrschten Hunger und die Ruhr, die Pfannen konnten nicht mehr betrieben werden, die Münzverschlechterung hatte das Geld entwertet. Reaktionen oder Hilfen aus Wien blieben bis auf einige Almosen aus.

1717 ist unter den Arbeitern von Aussee der Skorbut ausgebrochen, und da erst wurde die Gefahr auch in Wien erkannt. Diesmal wurde sofort angeordnet, den kranken Arbeitern ärztliche Behandlung und Medikamente umsonst zu geben.

1718 wurde aus Aussee berichtet, dass die Frauen und Kinder der Arbeiter bereits betteln gingen.

Die Not im Salzkammergut war eine beinahe regelmäßige Erscheinung. Die Beamten waren hilflos, ihre Hände waren gebunden von der Hofkammer. Die Petitionen der Arbeiter fanden oft eine Unterstützung vom Gmundner Salzamt, aber keine von der Hofkammer in Wien. Und mit der Not und Überbevölkerung des Salzkammergutes kamen die Arbeiterunruhen.

Solange man um jeden Arbeiter zitterte, solange ein jeder Arbeiter wertvoll für die Sicherung der kaiserlichen Arbeit war, solange man alles heranzog zur Salinenarbeit, war zwar das Salzkammergut nicht ohne Not und Hunger, aber ohne Arbeiterunruhen.

Mit den im 18, Jahrhundert einsetzenden Rationalsierungsmaßnahmen, verbunden mit der Einschränkung der Arbeiterzahl, der Abstoßung älterer, schwächerer Arbeiter, mit Restriktionen in den Pensionen („Provisionen“) und im Arztlohn, da kam es zu Unruhen und harten Konflikten. Die Beamten im Salzkammergut waren keine Freunde dieser neuen Richtung.

Ab 1733 fängt es an unter den Arbeitern an zu gären. Das Verwesamt berichtet am 23. Februar 1733 über eine Revolte der Ischler Arbeiter. Seit altersher gab man den Ischler Arbeitern am Faschingsdienstag um 12 Uhr frei, und bezahlte ihnen den ganzen Tag. Jetzt, wo die größte Sparsamkeit angeordnet wurde, glaubte man kein Recht dazu zu haben, weil es bei 470 Personen 36 fl. ausmachen würde, und ließ die Arbeiter nicht nach Hause. Die aufgebrachten Arbeiter verließen trotzdem früher die Arbeit, versammelten sich vor dem Amtshaus, und haben „mit ungestimbt und einer straffbahren Freyheit ihre vermaindte Beschwerdte angebracht“.

In Zeiten der größten Hungersnöte blieb es ruhig im Kammergut, und jetzt kam es wegen 36 fl. zu einer Revolte!
Auch die Holzknechte und Schiffbauer in Ebensee schlossen sich der Revolte an und fielen durch „strafmäßige Renitenz und das tumultose Verfahren“ auf.
 

Knappenstube, 1825


In Wien war man äußerst aufgebracht über diesen Vorfall. Ein Untersuchungskommissär mit 300 Mann zu Fuß und 30 zu Pferd wurde ins Salzkammergut beordert. Die Schuldigen sollten bestraft und die Neuerungen vollinhaltlich umgesetzt werden.

Die Rebellion der Arbeiter war deshalb gefährlich geworden, weil ein Teil der Beamten das scharfe Vorgehen der Wiener Hofkammer auch für sie als nachteilig empfand, weshalb die Beamten offen oder insgeheim auf der Seite der Arbeiterschaft standen und der Rebellion Vorschub leisteten.

Der Untersuchungskommissär berichtete, dass der Großteil der Arbeiter rasch und reumütig wieder an die Arbeit zurückgekehrt sei. Als das Militär im April 1749 abgezogen wurde, erfolgte dies mit der ausdrücklichen Warnung an die Arbeiter, sich weiterhin gefügig zu verhalten und den Anordnungen des Salzamtmannes unbedingt Folge zu leisten.

Bis 1753 fand die Lohnauszahlung der Salzarbeiter regelmäßig an Samstagen nach der „Wochenrait“ statt. Akten berichten, dass in Ischl die Sitte bestand, neben den Sonn- und Feiertagen auch Samstag in den kaiserlichen Salzbergwerken nicht zu arbeiten. Statt, dass die Bergleute den Samstag zu ihren häuslichen Arbeiten nutzten, um den darauf folgenden Sonntag sich durch Ruhe zu den Anstrengungen der künftigen Woche zu stärken, erschöpfen sie Samstag abends in den Gasthäusern ihre letzten Kräfte und meistens auch ihr sauer verdientes Wochengeld. Am Montag begannen sie ermattet und meist ohne Geld ihr mühsames Tagwerk von neuem.

Die Zeit der französischen Herrschaft von 1809 an war für die Salzwirtschaft geradezu katastrophal. Die Einnahmen aus dem Salzverkauf im Lande flossen in die Kassen der Besatzungsmacht, das Salzamt konnte daher weder die Löhne der Salzarbeiter bezahlen noch die zu ihrer Ernährung nötigen Lebensmittel beschaffen.

Während der Sommermonate 1809 warteten die Hallstätter Arbeiter sieben Wochen auf den Lohn. Ihrer hundert zogen vor das Amtshaus in Lahn und drohten, sich mit dem Salz aus den Magazinen bezahlt zu machen, wenn nicht bald Hilfe käme.

Der Winter 1847 steigerte die Not der Arbeiter wieder ins Unerträgliche. Die Leute verkauften ihr Vieh, verschuldeten sich, erhielten von den Müllern kein Mehl mehr im Vorhinein, kamen von Kräften und hatten nicht mehr genug, um sich zu kleiden.

1848 rotteten sich die Ischler Arbeiter zusammen, um gegen die Bäcker und Müller gewalttätig vorzugehen und eine Herabsetzung der Mehl- und Grießpreise zu erzwingen.

Die Salzarbeiter im Kammergut erhielten weiter einen „Limitoproviant“, eine bestimmte Menge Schmalz und Korn, die zu ermäßigten Preisen bezogen werden konnten. Andererseits lag der Grundlohn der Salzarbeiterschaft im 19. Jahrhundert stets unter dem der qualifizierten Fabriksarbeiter. Das System der „sicheren Armut“ setzte sich also auch im 19. Jahrhundert fort. Die Tätigkeit als stabiler Berg- oder Salzarbeiter war auch in Krisenzeiten eine sichere Beschäftigung, dafür mussten Abstriche bei der Bezahlung in Kauf genommen werden.

Im Jahre 1873 wurde der Lebensmittelbezug eingestellt und die Geldlöhne entsprechend erhöht. An Naturalleistungen verblieben lediglich das Deputatsalz und ein begünstigter Brennholzbezug. Zur Verbesserung der Nahrungsmittelsituation wurden für Berg- und Hüttenarbeiter bei den Salinen in Aussee, Altaussee, Hallstatt und Ebensee Konsumvereine errichtet.

Die Wohnsituation blieb für die Salzarbeiter bis ins 20. Jahrhundert hinein prekär. Familien wohnten vielfach in einer einzigen Stube. Diese Stuben waren niedrig und, da in denselben auch gekocht und gewaschen wurde, feucht. Im Winter wurde aus Sparsamkeit oft wochenlang nicht gelüftet. Die meist zahlreichen Familienmitglieder lebten in einem kleinen Raum zusammengedrängt, untereinander ohne Scheidung der Geschlechter, mitunter wurden sogar noch ledige Arbeiter in Untermiete genommen.

Erst die am Ende des 19. Jahrhunderts für die Salinenarbeiter neuerbauten, kleinen Wohnungen brachten eine große Verbesserung. Die typische Arbeiterwohnung bestand aus einer knapp 10 m² großen Küche, einem etwa 20 m² großen beheizbaren Zimmer sowie einem knapp 10 m² großen Kabinett ohne Heizmöglichkeit. Als Miete wurden lediglich 10% vom Lohn einbehalten.

Danke fürs Lesen,
DI Hans Kranabitl


Verwendete Quellen:

  • August Huysen „Salzbergbau und Salinenbetrieb in Österreich, Steiermark und Salzburg“, Berlin 1854
  • Karel Kramar „Die staatliche Lohnpolitik und die Lage der Arbeiter in den Salinen des Salzkammergutes bis 1748“, Jahrbuch für Nationalökonomie, Wien 1896
  • Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932
  • Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis in die Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934
  • Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936
  • Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004
  • „Bergbau – Alltag und Identität der Dürrnberger Bergleute und Halleiner Salinenarbeiter“, Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Salzburg, 1998
  • Franz Hufnagl „Die Maut zu Gmunden“, Böhlau Verlag, Wien 2008