Ihre Anfrage

Bitte alle mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

Achtung: Ihre bekannt gegebenen Daten (E-Mail-Adresse, Anfrage, optionale Eingaben) werden direkt an den auf dieser Seite befindlichen Betrieb weitergeleitet.

Moore, Wasser, Salz: Eine Beziehung mit Ecken und Kanten

Blog Beitrag von Franz Kranabitl vom 2.7.2020

Kompass Wanderkarte, 2020


Etwas versteckt findet man östlich vom Ischler Salzberg die Hochmoore Langmoos und Roßstallmoos, die in den letzten Jahren von den Österreichischen Bundesforsten mit dem "Moorschutzprogramm" aus dem "Dornröschenschlaf" herausgeholt wurden. Diese befinden sich zwar nicht am Wegenetz der Via Salis, haben aber doch eine Bedeutung für den Ischler Salzberg gehabt.

Lage Langmoos und Roßstallmoos:

Die beiden Naturschutzgebiete Langmoos (2,6 ha) und Roßstallmoos (1 ha) befinden sich 1 bzw. 1,4 km östlich der Reinfalzalm. Beide Moore sind Hochmoore, die in Karstmulden entstanden sind. Sie werden von Niederschlägen versorgt und sind somit unabhängig vom Grundwasser. Die Torfschicht ist bis zu 6 m dick.
 

Entstehungsgeschichte unserer Moore:
In noch nicht allzu ferner Zeit, vor 20.000 Jahren, dehnten sich große Gletscher vom Trauntal in das Alpenvorland hinaus aus und begruben das Land unter Eis. Gletscher waren wesentlich am Entstehen der Bedingungen beteiligt, die zu einem Wachstum von Mooren bei uns führten. Sie schürften flache Wannen aus und brachten Gletscherschliff (feinsten Gesteinsabrieb) mit, der sich dort ablagerte und für Wasser undurchlässige Tone bildete. Dadurch sammelte sich in den Becken das Wasser und es entstanden verschiedene Formen von Stillgewässern vom kleinen Tümpel bis zum großen See.

Als sich vor etwa 17.000 Jahren das Klima besserte, wich das Eis zurück und die Gletscher zerfielen relativ rasch. Zurück blieben von Ton ausgekleidete Mulden mit kleinen Stillgewässern; außerhalb der früher vergletscherten Gebiete Schotter, Sand und von Löss bedeckte Terrassen. In den Mulden siedelten sich alsbald verschiedene Moose, Riedgräser und Schilf an. Dabei spielte das spätglaziale, noch kühle Klima mit geringer Verdunstung und hoher Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle.

Moore als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere
Moore sind ein unersetzlicher Lebensraum für viele, heute bereits selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten. Nicht wenige „Moorbewohner“ finden sich auf der Roten Liste wie der Sonnentau, die Moosbeere oder die Zwergbirke. Typisch für ihre Fauna sind die Moorlibelle und der Moorfrosch sowie zahlreiche Reptilien wie Bergeidechse, Kreuzotter, Tagfalter und Spinnen.

Moore als Klimaschützer
Moore erfüllen die Funktion der CO2-Speicherung ganz hervorragend. Da sich die pflanzlichen Bestandteile in dem nassen, sauren Boden nicht zersetzen, bleibt der Kohlenstoff gespeichert. Erst bei der Trockenlegung der Moore beginnt ein Zersetzungsprozess und der in Jahrtausenden erzielte positive Effekt verkehrt sich wieder in das Gegenteil.

Moore als Wasserspeicher
Moore können bis zu 95% ihrer Trockenmasse an Wasser aufnehmen. In Trockenzeiten geben sie das gespeicherte Wasser langsam ab. So tragen sie zur kontinuierlichen Versorgung der Quellen bei. Bei Regenfällen nimmt das Moor wieder große Wassermengen auf. Dadurch erfüllt es eine wichtige Funktion als Hochwasserschutz.

Moorschutzprogramm ÖBF
Anlässlich des 1993 vom Umweltministerium proklamierten „Jahres der Feuchtgebiete“ stellten die Österreichischen Bundesforste alle ihre Moore unter Schutz. Im Rahmen der WWF-Kampagne „Lass Sie leben“ unterzeichneten ÖBf und WWF im Juni 2000 den Kooperationsvertrag zum „Aktiven Moorschutz“. Demnach sollen Moore, die in der Vergangenheit vor allem durch Entwässerung, Torfabbau, Beweidung und Aufforstung beeinträchtigt worden waren, aktiv renaturiert werden. Wie z.b.: Bau von Stauen zur Anhebung des Moorwasserspiegels im Langmoos.
 

Revitalisierung Langmoos, ÖBF

Lärchendamm im Langmoos, ÖBF


Die Bedeutung dieser Moore und der Tagwässer im Bereich Reinfalz für den Ischler Salzberg:
In den 1830 und 1840 Jahren, nach den napoleonischen Kriegen und beginnender Industrialisierung war die Not groß. Es war die Biedermeierzeit, monarchischer Absolutismus herrschte. Resignation machte sich breit, Hungerdemonstrationen und Bauernaufstände erschütterten Österreich. Und in diesen schwierigen Zeiten kam es auch noch am Ischler Salzberg fast zu einer Katastrophe: Die Obertagewässer im Bereich Reinfalzalm waren immer schon ein Problem für die unterhalb angelegten Salzstollen gewesen. Viel Augenmerk wurde daher diesem Umstand bereits geschenkt. Aber eben nicht genug.

Und somit nahm das Unglück seinen Lauf:
Schon 1739 wurde ein hölzernes Rinnwerk, welches „zwischen den Bergen“ (Weg von Reinfalzalm zur Hütteneckalm) angelegt war, in die Reinfalzalm verlängert. Zusätzlich wurde bereits 1738 ein Wasserstollen, der Mittlere Wasserstollen angelegt, um Süßwasser, das bereits bis zum Frauenholzstollen vordrang, abzuleiten. Mit wenig Erfolg, wie sich dann herausstellte.  Erst 1769 wurde durch den im Lipplesgrabenstollen angelegten Wasserschurf der Wasserzutritt erfolgreich gefasst.
 

1739: Süßwassereinbruch bis zum Frauenholzstollen, Archiv Salinen Austria


1775, 1784, 1793, 1799 und 1805 wurde das Hölzerne Rinnwerk immer wieder erneuert und erweitert. Eine größere Ausbesserung des dazumal 2.133,54 m langen Haupt- und Seitenrinnwerkes, teils in Letten geschlagen und teils aus Holzrinnen bestehend, wurde in den Jahren 1830 – 1831 vorgenommen. Wie man aus diesen Jahreszahlen erkennen kann, war die Instandhaltung eine sehr kostspielige. Daher ist man ab 1840 übergegangen, die Rinnwerke aus Quadersteinen herzustellen.
 

Quaderrinnwerk Reinfalz April 2020, IGM


Trotz all dieser Maßnahmen kam es 1839 im Amaliastollen zu massiven Verbrüchen der Werker Preßel, Schwaiger, Rappan und Baron Sternbach. 1843 war das infolge des Niederganges der Werker Erlach, Mohr und Freund eingebrochene Wasser über die Schürfe schon bis zum Ludovikastollen in so großer Menge vorgedrungen, dass die Lauge in die noch verfügbaren Werker bald nicht mehr hätte untergebracht werden können. Der gesamte Abbaubereich war gefährdet! Detailliert werden diese Begebenheiten und die Untertagemaßnahmen unter  https://www.viasalis.at/amaliastollen dargestellt.

Um den Ischler Salzberg zu retten, wurde natürlich auch Obertags versucht, alle noch nicht kontrollierten Wässer zu regulieren. Jetzt wurden auch die Arbeiten an den Mooren angegangen! Im Langmoos wurden Haupt.- und Seitenentwässerungsgräben gezogen. Und wie bereits erwähnt, ist das Langmoos ja in einer Wanne gelegen. Um die gesamte Wanne entwässern zu können, wurde sogar ein 50 m langer Entwässerungsstollen angelegt. Im angefügten Plan sehr schön als „Warme Loch“ eingezeichnet.

Der Name hat folgende Bewandtnis: Ziemlich in der Mitte des Stollens wurde überraschend ein Stufenschacht angeschnitten, der einen natürlichen Wetterzug aufweist.  Und zwar gibt es 255 m tiefer unten einen Eingang, nämlich das „Tauernwasserloch“.  Im Winter zieht unten Luft rein, erwärmt sich und dampft oben im „Warme Loch“ aus. Das „Warme Loch“ war auch für viele Jahre ein Forschungsprojekt des Linzer Höhlenvereines.
 

Plan Langmoos mit Entwässerungsgräben und Entwässerungsstollen "Warmes Loch" 1860, Archiv Salinen Austria

Eingang Hütterschacht im "Warmen Loch", Archiv IGM


Reinfalzschanze
​Zusätzlich zum Langmoos wurde auch die Reinfalzschanze entwässert.  Diese, heute in Vergessenheit geratene Flurbezeichnung, erstreckte sich SW des Niederen Rosenkogels, wie auf folgender Karte aus dem Jahre 1867 ersichtlich ist.

Noch ein kleiner Exkurs zum Namen Schanze:  Unter Schanze verstand man in früheren Zeiten eine Feldbefestigung zur Verteidigung. Ab dem 16. Jahrhundert wurde das Wort „schanzen“ ganz allgemein auf Erdarbeiten jeder Art übertragen. Und somit wahrscheinlich auch auf die Entwässerungsarbeiten SW des Niederen Rosenkogels. Daraus wird wohl die Bezeichnung Reinfalzschanze entstanden sein.
 

Plan Entwässerung Reinfalzschanze 1854, Archiv Salinen Austria


Arbeiten am Rinnwerk Reinfalz geschahen dann noch in den Jahren 1890, 1892, 1894, 1896, 1898, 1902, 1904 und 1907. Durch all diese Arbeiten am Rinnwerk aus Quadersteinen hatte dasselbe nunmehr eine Länge von 864,7 m bei einer durchschnittlichen Breite von 0,45 – 0,50 m. 1913 bis 1919 wurden noch 155 m des Holzrinnwerkes durch Zementrinnen ausgewechselt. Trotz aller Maßnahmen Obertags, wie auch Untertags gab es bis ins zwanzigste Jahrhundert auch großflächige Rutschungen im Bereich Reinfalzalm, wie aus einer Karte aus dem Jahre 1933 ersichtlich ist:
 

Hangrutschungen in den Jahren 1924 / 1925 / 1926 / 1927 / 1931 und Wassereinbrüche bis in den Amalia.- und Lipplesgrabenstollen. Archiv Salinen Austria 1933


Danke fürs Lesen,
Franz Kranabitl


Verwendete Quellen:

  • Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936
  • Michael Kefer „Beschreibung Hauptkarten des kk Salzberges zu Ischl“, 1820, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 13.09.2016
  • Geologische Bundesanstalt, Blatt 96 Bad Ischl, 2012
  • Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 87: 55-70, 2017
  • Moor-Revitalisierung Inneres Salzkammergut, ÖBF