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Franz Lehár zum 150. Geburtstag

Blog Beitrag von Kai-Uwe Garrels vom 30.4.2020

Franz Lehár, 1921


„Ich muss offen gestehen: In Ischl hatte ich immer die besten Einfälle! Das muss doch irgendwie mit der Ischler Luft zusammenhängen!“ – so schrieb Franz Lehár (1870–1948) am 22. Juli 1939 ins Bad Ischler Ehrenbuch.

Als die Welt erstmals auf den gut 30-jährigen Militärkapellmeister aufmerksam wurde, hatte er gerade seinen ersten Sommer in der Stadt an der Traun verbracht: Am 27. August 1901 stieg Lehár im Hotel „Zum Schwarzen Adler“ (Grazer Straße 10) ab, im folgenden Fasching wurde die Redoute der Fürstin Pauline von Metternich mit seinem Walzer Gold und Silber eröffnet. Doch als „Gebrauchsmusik“ wurde sein Opus 79 kaum beachtet, sodass er es für wenig Geld an einen Wiener Musikalienhändler verkaufte. Der gab es an den Londoner Verlag Bosworth & Co. weiter, und von hier trat der Walzer seinen Siegeszug um die ganze Welt an, bis endlich auch Wien von dem Erfolg Notiz nahm. So konnte Lehár seinen Abschied vom 26. Infanterie-Regiment „Großfürst Michael“ nehmen und sich – nach einer vorübergehenden Anstellung als Erster Kapellmeister im Theater an der Wien – als freischaffender Komponist selbständig machen.
 

Franz Lehár, 1905


Mit dem Erfolg seiner Operetten von Wiener Frauen und Der Rastelbinder 1902 über den weltweiten Durchbruch mit der Lustigen Witwe 1905 bis zum Grafen von Luxemburg 1910 stieg auch der Komfort seiner Bad Ischler Sommerquartiere. 1943 erinnerte sich Franz Lehár in der „Oberdonau-Zeitung“, dass er in Ischl nicht weniger als sechs Wohnungen gehabt habe – mit jeder sei ein Stück seines Werkes verbunden gewesen: Im ersten Jahr wohnte Lehár „auf dem jenseitigen Ufer der Traun in der Grazer Straße bei einem kleinen Ladeninhaber als Untermieter in einem bescheidenen Zimmerchen“; noch 30 Jahre später ging ihm „das ständige Klingeln beim Öffnen und Schließen der Ladentür nach, das ihn nervös gemacht und in seiner kompositorischen Arbeit gestört habe“. Die lustige Witwe entstand 1905 in der Ischler Bahnhofstraße 5 „neben der evangelischen Kirche nächst dem Zusammenfluss von Ischl und Traun“ (1907 wohnte Lehár wieder hier). Seine weiteren Erfolge auf den Operettenbühnen der Welt – unter ihnen Der Graf von Luxemburg von 1910 – ermöglichten den Kauf der Villa am Kronprinz-Rudolf-Kai, später Franz-Stelzhamer-, heute Lehár-Kai: das „Tantiemenmonument“.
 

Lehár Villa an der Traun


Am 16. Mai 1912 kolportierte das Linzer Volksblatt einen Kaufpreis von 70.000 Kronen; zwei Tage später wurde es, da bisher lediglich verhandelt werde, rechtsanwaltlich zum Widerruf gezwungen und kommentierte: „Der Einfall, gegen die harmlose Nachricht von einem Villenankauf mit dem § 19 P.-G. [Pressegesetz] auszurücken, ist wohl auch unter dem Begriff Operettenblödsinn zu registrieren.“ In den folgenden drei Wochen konnte Lehár immerhin noch 2.000 Kronen herunterhandeln, der Kaufvertrag über 68.000 Kronen datiert vom 4. Juni. Doch erst ab dem 10. Juli traute sich die Hauptstadtpresse, den Kauf zu vermelden, und legte ihm die Worte seiner „lustigen Witwe“ in den Mund: „Villa, ach Villa, wie ziehst du mich an!“ In Wien war Franz Lehár bereits seit 1908 „mehrfach verstockter Hausbesitzer“ in der Theobaldgasse; 1932 sollte das Schikaneder-Schlössl in Nussdorf hinzukommen. Die Ischler Villa vermachte Lehár testamentarisch der Stadtgemeinde mit der Auflage, sie „im übernommenen Zustand… zu belassen“ und daraus „ein Franz-Lehár-Museum zu bilden“.
 

1930-10-02, Das interessante Blatt


Wesentlich seltener als das Anfangszitat wird – besonders in Bad Ischl – eine Franz-Lehár-Anekdote erzählt, die der Komponist 1940 im Buch Künstler plaudern erzählte: „Eines Tages werde ich gebeten, ein Konzert des [Ischler] Orchesters zu dirigieren“, die Ouvertüre seiner Operette Wiener Frauen. Beim Oboen-Solo konnte Lehár das Instrument nicht wahrnehmen: „Ich klopfte ab und sagte zum Oboisten: ‚Bitte etwas lauter, ich habe Sie nicht gehört!‘“ Doch auch in der Wiederholung fehlte der charakteristische Klang des Holzblasinstrumentes. „Blasen Sie mir doch einmal das Solo allein“, bat Lehár. Da kam die schüchterne Antwort: „Ich kann überhaupt nicht Oboe blasen, man hat mich nur dazwischengesetzt, damit das Orchester komplett wirken soll.“
 

Franz Lehár am Flügel


Dieser Erfahrung mochte es geschuldet sein, dass Franz Lehár ein Gastdirigat seiner Zigeunerliebe 1921 in Linz ablehnte. Obwohl es der seinerzeit schon als Mozart-Tenor berühmte Richard Tauber war, der extra nach Bad Ischl reiste, um im Ischler Kurgarten „mit meiner schönen Augen Macht“, wie er in seinen Erinnerungen schrieb, den „Meister“ ans Landestheater zu locken. „Allerdings sagte er trotz allen Verführungskünsten zu meinem Vorschlag: ‚Kaum möglich!‘“ Und eine weitere Enttäuschung musste der Sänger zu Beginn seiner Freundschaft mit Lehár – die ihm mit „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächelns seine lebenslange Erkennungsmelodie bescheren sollte – verkraften: „Ich hatte ihn um ein Bild gebeten, prompt traf es auch im Hotel ein. Oh, wie tief war ich gekränkt, als ich seine Widmung las. Es lautete an Rudolf Tauber! Mein innigst geliebter ‚Franzl‘ hat sich den ‚Rudolf‘ bald abgewöhnt und weiß jetzt, dass ich ‚Richard‘ heiße!“
 

Franz Lehár und Richard Tauber


Im darauffolgenden Sommer 1922 aber dirigierte „Franzl“ für Richard Tauber, der im Theater an der Wien in Lehárs Frasquita auftrat und vor allem mit seiner Interpretation der Serenade vom „blauen Himmelbett“ das Publikum ins völlig überhitzte Theater zog. Tauber erinnerte sich: „Samstag und Sonntag kam der Meister von Ischl nach Wien und dirigierte sein Werk. Einmal hatte der Zug Verspätung, sodass Lehár erst mitten im ersten Akt erschien. Im Lodenkostüm mit kurzen Hosen tauchte er auf und nahm dem Kapellmeister den Stab aus der Hand. Nach Schluss des ersten Aktes brauste der Beifall nieder, Lehár wurde stürmisch gerufen. Er erschien vor dem Vorhang in seinen kurzen Hosen und Wadelstrümpfen! Da kam ich auf eine glorreiche Idee, ich zog mein Taschentuch, hielt es dem Meister vor die Knie und bedeckte hilfsbereit die Blößen – Lehárs Würde war gerettet!“

Danke fürs Lesen,
Kai-Uwe Garrels

 

Buchtipp

Dein ist mein ganzes Herz – Ein Franz-Lehár-Lesebuch

Franz Lehár wollte eigentlich Opernkomponist werden – und errang Weltruhm mit seinen Operetten. Der Militärkapellmeister aus Transdanubien (geboren am 30. April 1870 in Komorn, damals Österreich-Ungarn, heute Slowakei) erneuerte von Wien aus das Genre, indem er nach der  „Goldenen“ die  „Silberne Operettenära“ einläutete. Von der Lustigen Witwe bis zum Land des Lächelns reicht die Kette seiner weltweiten Bühnenerfolge, die noch heute regelmäßig vor ausverkauften Häusern gespielt werden.

Zu seinem 150. Geburtstag spannen die Herausgeber Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels sowie weitere mit Franz Lehár eng vertraute AutorInnen (unter ihnen die Ischler Kuratorin Helga M. Leitner und Intendant Michael Lakner) in ihren Beiträgen einen weiten Bogen: Von Lehárs Wirken als zunächst unbekannter Komponist im Kaiserreich über seine Glanzzeiten in der Silbernen Operettenära der Zwischenkriegszeit bis hin zu seiner  „Alters-Rolle“ im Dritten Reich.

Dieses Lesebuch beleuchtet  „Meister“ Lehár aus unterschiedlichen thematischen Blickwinkeln, vor allem aber – seine Musik!

232 Seiten, gebunden, mit 51 seltenen s/w-Bildern und einem Geleitwort von Christoph Wagner-Trenkwitz. ISBN: 978-3-205-20963-8, Böhlau Verlag Wien, 24,- Euro.

Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels