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Drama am Rettenbach

Blog Beitrag von Johannes Eberl vom 5.6.2019

Fährt man von Bad Ischl in Richtung Rettenbachalm, so überquert man den Rettenbach. Gleich nach der Brücke liegt rechts das ehemalige Gasthaus „Rettenbachmühle“, links führt ein Weg in die „Hubhanslau“. Folgt man ihm, kommt man nach wenigen Metern zu einem Wegweiser „Gagarin Gedenktafel“. Welcher Gagarin könnte das sein?

Wegweiser zur Gedenktafel

Steigt man nun einen Waldweg hinunter wird das Rätsel schnell gelöst. Es handelt sich nämlich nicht um den ersten Kosmonauten Juri Gagarin, sondern um Lew Nikolajewitsch Fürst Gagarin. Er hielt sich 1868 mit seiner Familie zur Kur in Bad Ischl auf. Der Hauptzweck dieses Aufenthaltes war die Erholung seines 16-jährigen Sohnes vom Scharlach. Man hoffte, dass ihm die gesunde Luft wieder Kräfte schenken würde.

Am 3. August 1868 beobachteten Fürst Leon Gagarin und sein Sohn Fürst Wladimir die Holztrift im Rettenbach. Dabei wurden sie von sich aufbäumenden Stämmen erfasst und ertranken beide. Anna Iwanowna Fürstin Gagarina ließ an der Unglücksstelle eine Gedenktafel in russischer und deutscher Sprache errichten.

Gedenktafel für Fürst Gagarin

Diese Tafel wurde beim Hochwasser 2002 aus der Verankerung gerissen und war zunächst unauffindbar. Erst ein Jahr später entdeckte sie eine Frau aus der Umgebung. Der Ischler Heimatverein ließ die Tafel restaurieren und das schon lange verschwundene Kreuz erneuern.

Am 3. August 2006 wurde die Tafel wieder eingeweiht. Das Makabre daran war, dass es während der Feier in Strömen goss und der Rettenbach so stark stieg, dass ein Teil der Teilnehmer plötzlich im Wasser stand.

Einweihung der Gedenktafel

Der ehemalige Ischler Kurdirektor Dieter Neumann befasste sich intensiv mit der Geschichte der Familie Gagarin (er reiste sogar nach Russland).
Hier das Ergebnis seiner Forschungen in Kürze:

Dieter Neumann, ehemaliger Kurdirektor, nebst Gedenktafel

Aus der Biographie des Fürsten

Geboren am 3.9.1828 in Moskau, verliert früh seine Eltern, lebt bei der Großmutter, besucht das Gymnasium und inskribiert an der Universität in Petersburg. Er bricht das Studium aber nach einem Jahr ab.

1847 tritt er in den Dienst für Auswärtige Angelegenheiten ein. Er heiratet die Petersburger Ballerina Anna Iwanowna Prichunowa, am 4.11.1851 wird der einzige Sohn Wladimir Lwowitsch geboren. 1852 wird der Fürst in das Ministerium für Inneres versetzt. 1855 tritt er der Staatlichen Landwehr als Leutnant bei, 1857 wird er zum Oberleutnant befördert. Aus dem Militärdienst entlassen zieht er nach Moskau und wird 1858 Mitglied des Moskauer Komitees für Verbesserung der Lebensverhältnisse der leibeigenen Bauern. 1862 wird er zum Adelsmarschall gewählt, 1864 erhält er im Range eines Wirklichen Staatsrates den Orden des hl. Wladimir sowie den Stanislaw-Orden. Er ist ein Mann von großer Herzensgüte und spendet auf Grund seines großen Vermögens viel für wohltätige Zwecke.

Gedenktafel am Ufer des Rettenbach
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